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Studie Covid-19 und Diabetes –

präsentiert von der Österreichischen Diabetes Gesellschaft ÖDG

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf der Viruserkrankung haben. Bereits in der Anfangsphase der Pandemie zeigte sich, dass Menschen mit Diabetes nach einer Infektion mit dem Virus relativ häufig die Betreuung in einem Spital in Anspruch nehmen mussten.

Seit April 2020 erhebt die ÖDG den Gesundheitszustand von Menschen mit Diabetes, die wegen einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus versorgt werden mussten. 

Univ. Prof. Dr. Susanne Kaser, Stv. Direktorin für Innere Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, und
AssozProf. Priv.-Doz. Dr. Harald Sourij, Stv. Abteilungsleiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Medizinischen Universitätsklinik Graz und Erster Sekretär der ÖDG, haben mit 8 anderen großen Krankenhäusern ein österreichisches Diabetes-Covid-19-Register ins Leben gerufen.
Es wurden anonymisierte Daten von 238 Menschen erhoben, die an Diabetes oder Prädiabetes erkrankt sind und wegen Covid-19 im Spital stationär versorgt werden. 
Das mittlere Alter betrug 71 Jahre. Knapp zwei Drittel waren männlich. Drei Viertel der StudienteilnehmerInnen waren von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen, 20 Prozent hatten einen Prädiabetes und 5 Prozent einen Diabetes mellitus Typ 1.
Aufgenommen wurden der Body Mass Index (BMI), detaillierte Informationen zur Therapie, der HbA1c-Wert (der Langzeitzuckerwert) und auch Begleiterkrankungen, sowie zusätzliche Routinelaborparameter. 
Die durchschnittliche Krankenhausliegedauer war 12 Tage, knapp ¼ der PatientInnen wurden auf die Intensivstation aufgenommen, die mittlere Liegedauer auf der Intensivstation war 19 Tage.

Die wichtigsten Ergebnisse:
Das Risiko, an Covid-19 zu versterben steigt mit zunehmendem Alter und Folgeerkrankungen, wie Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Nierenfunktionsstörungen oder starkem Übergewicht. 
Von der Gesamtgruppe ist ein Viertel im Krankenhaus verstorben.

Prof. Dr. Kaser: „Aus unserer Untersuchung zu schließen, dass jeder vierte Covid-19-Infizierte mit Diabetes daran stirbt, wäre ein völlig falscher SchlussWir können keine Aussage darüber treffen, wie viele Menschen mit Diabetes an Covid-19 erkranken.
Aus internationalen Untersuchungen lässt sich ableiten, dass nicht das Risiko einer Erkrankung bei Menschen mit Diabetes generell erhöht ist, aber dass das Risiko für einen schweren Verlauf steigt. Sogar bei den PatientInnen, die einen so schweren Covid-19-Verlauf haben, dass sie ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten, zeigt sich, dass allein die Diabetes-Diagnose den weiteren Verlauf noch nicht definiert. Die Verstorbenen hatten signifikant häufiger vier oder noch mehr Begleiterkrankungen zusätzlich zu Diabetes. Gerade Menschen mit Diabetes über 70 und wenn sie an einer arteriellen Verschlusskrankheit leiden und eine eingeschränkte Nierenfunktion haben sind besonders gefährdet.“

Bereits Prädiabetes erhöht die Gefahr von schweren Covid-Verläufen!

Prof. Dr. Sourij: „Im Zusammenhang mit COVID-19 beobachten wir, dass die Prävalenz von Prädiabetes bei kritischen Verläufen hoch ist. Wir sehen aber auch, dass bei Personen, die wegen einer COVID-19 Erkrankung stationär aufgenommen wurden, bei der Sterblichkeit kein wesentlicher Unterschied zwischen jenen mit Prädiabetes und jenen mit einem Typ 2 Diabetes vorliegt.
Auch das untermauert die Notwendigkeit der Früherkennung und zu einer aktiven Intervention bei Prädiabetes. Eine einfache Intervention in unserem Gesundheitssystem wäre die Aufnahme des Hba1c-Wertes in die Vorsorgeuntersuchung. Diese zentrale Forderung der ÖDG an die gesundheitspolitischen EntscheiderInnen könnte dazu beitragen, dass Prädiabetes viel häufiger und vor allem viel früher erkannt und behandelt wird.“

Quelle:
Presseinformation Weltdiabetestag 2020/ ÖDG – 10.11.2020

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