Was die ÖDV für die Insulinpumpe an Information quer durch Österreich für Interessierte und Neueinsteiger bietet, gilt auch für die CGM (kontinuierliche Glucosemessung).


CGM – Kontinuierliche Glukosemessung

Was ist kontinuierliche Glukosemessung? – Bei der kontinuierlichen Glukosemessung (KM) wird in der Zwischenzellflüssigkeit (Interstitialflüssigkeit) des Unterhautfettgewebes kontinuierlich der Glukosegehalt gemessen. In der Regel korreliert der dortige Glukosewert eng mit dem Blutzuckerwert (BZ). Zunehmend mehr Diabetiker nutzen diese Systeme um die Diabetes-Therapie zu optimieren.

Bei einer kontinuierlichen Glukosemessung misst eine im Unterhautfettgewebe sitzende Sensorelektrode bis zu 1400 Mal täglich den Gewebeglukosewert (GZ). Der Patient erfährt so, wie sich sein Blutzuckerspiegel im gesamten Tages- und Nachtverlauf verhält und wird alarmiert, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen und wenn der Zucker rapide steigt bzw. fällt. Dank dieser Information kann er Mahlzeiten, körperliche Aktivitäten und Medikation zugunsten eins optimal eingestellten Blutzuckerspiegels anpassen.

Punktuelle Blutzuckermessungen geben jedoch nur einen kurzen Einblick in den täglichen Blutzuckerverlauf (Bildlich gesprochen: ein scharfes Foto – eine Momentaufnahme). So werden oft erhöhte Blutzuckerwerte nach dem Essen, nächtliche niedrige oder auch hohe Blutzuckerwerte nicht gemessen und erfasst. Beides wirkt sich jedoch auf den HbA1c-Wert bzw. auf den weiteren Verlauf des Diabetes nachteilig aus. Bei der KM wird ein Film gedreht – man erkennt Verläufe und Tendenzen.

Wie der Name schon sagt, wird die Messung dauernd durchgeführt. Je nach System wird ein Messwert alle Minuten, alle 5 Minuten oder der Durchschnitt von 5 Minuten angezeigt bzw. ausgegeben. Die Werte GZ und BZ differieren aufgrund des Zeitfaktors, also bis der aktuelle BZ sich auch im Gewebe zeigt. Technisch heißt die Zeit, die das Gerät braucht um den aktuellen BZ anzuzeigen Lag Time. Alle Systeme müssen zumindest einmal am Tag kalibriert werden. Um genaue Werte zu erhalten, sollte die Kalibrierung erfolgen, wenn der Gewebezucker (GZ) nahe am BZ ist (z.B. In der Früh). Aus dieser Zeitverschiebung ergibt sich auch die Einstellung für die Alarme. Bei jedem System können Alarme programmiert werden. Neben den Alarmen für hohe und niedrige Werte, gibt es Alarme für steigenden und fallenden Glukosespiegel. Die Grenzwerte (hoch und tief) müssen die Zeitverschiebung der Werte mitberücksichtigen. Als Beispiel: habe ich eine BZ von 70 und zeigt das CGM Gerät einen Wert von 90 (GZ) wäre der Tiefenalarm mit 90 zu programmieren um rechtzeitig zu reagieren. Das ist auch der große Vorteil dieser Systeme. Ich werde vor Hypos und Hypers bzw. fallenden und steigenden Werten gewarnt und habe die Möglichkeit Maßnahmen – vor allem rechtzeitig – zu ergreifen. Die Folge davon ist, ich kann Hypoglykämien und Hyperglykämien im Vorhinein bekämpfen und ich kann auch meine Werte im bestimmten Rahmen halten (Bsp. Schwangerschaft).

Zur Hardware

Die Systeme bestehen alle aus der Sensorelektrode (eine flexible Nadel, die im Gewebe liegt), dem Transmitter (Sender) und dem Empfangsgerät bzw. Anzeigegerät. Alle Sensoren werden mit Sertern automatisch gesetzt. Der Transmitter wird auf dem Sensor aufgesetzt und übermittelt seine gemessenen Stromschwankungen an den Empfänger. Der wiederum setzt diese in Zahlen um. Die Übertragung erfolgt über Funk.

Zu den Produkten 

Es gibt autarke Systeme und jene, die in einer Insulinpumpe integriert sind. Die Unterschiede der Systeme liegen auf der Hand. Autarke Systeme arbeiten eigenständig und können mit jeder Therapie und Insulinpumpe kombiniert werden. Daraus resultiert auch der Nachteil: beim Tragen einer Insulinpumpe muss ein zweites Gerät mitgeführt werden.

Die Sensoren haben eine Laufzeit von 5 bis 7 Tagen. Laut Internet und Erfahrungen von Anwendern lassen sie sich auch länger verwenden. Aber diese längere Nutzung geschieht auf Risiko des Anwenders.

Alle Systeme haben eines gemeinsam: Sie liefern eine Unzahl von Werten. Das Umgehen mit diesen Werten und die Aufbereitung der Daten und deren Analyse und die daraus resultierenden Änderungsmaßnahmen müssen erlernt werden. Das bedeutet, dass eine umfangreiche Schulung für die Verwendung zu erfolgen hat.

Diese Systeme entbinden den Nutzer nicht vom Diabetesmanagement. Die zweite Prämisse ist, dass jede Entscheidung blutig zu überprüfen wäre. In der Praxis hat sich gezeigt – der Erfahrene handelt nach dem CGM und die blutigen Messungen reduzieren sich. Was bedeutet erfahren? Ich weiß inwieweit unterscheidet sich der GZ vom BZ und ich überprüfe regelmäßig diesen Verlauf durch BZ Messungen.

Wie sieht die Praxis aus?

Das Um und Auf ist die richtige Kalibrierung. Als Anwender treffe ich die Entscheidung, wie die Alarme eingestellt werden. Als erstes habe ich die Art der Alarme – Signal, Vibrieren oder Kombination – festzulegen. Ich muss darauf reagieren. Das führt auch zur Entscheidung, wo das Empfangsgerät getragen wird. Ich habe die Ober- und Untergrenzen der GZ festzulegen, bei dem die Alarme erfolgen. Wichtig hier ist die Rechtzeitigkeit, damit ich reagieren kann. Das Beurteilen des aktuellen GZ und zu wissen wie der BZ aussieht, muss erlernt werden. Hier ist die regelmäßige Kontrolle durch BZ Test notwendig. Wenn jemand gut eingeschult (eingelernt) ist, reduzieren sich die blutigen Tests. Die Hypowahrnehmung kann in Korrelanz mit der KM wieder erlernt werden – ich beurteile meinen BZ bevor ich auf das Messgerät schaue. Und eine Analyse der CGM-Daten gehört dazu. Diese soll auch zu einer notwendigen Änderung führen – als Beispiel ich wechsle von einem Sofortbolus zu einem kombinierten, weil die BZ nach der Mahlzeit besser verlaufen.

Was bringt so ein System? Was kann ich erwarten? Für wen ist es geeignet?

Jeder Diabetiker kann so sein System nutzen, wenn er bzw. seine Aufsichtsperson sich dementsprechend schulen lässt. Durch das automatische Setzen der Sensoren, stellt es auch für ungeübte Personen kein Problem dar. Bei richtiger Anwendung bringt das System eine bessere Einstellung. Es können die Schwankungen vermieden werden, die Hypos bzw. Hypers können rechtzeitig erkannt werden und richtig reagiert werden.

Die Kosten dieser Systeme sind sehr hoch. Die Krankenkassen übernehmen in bestimmten Fällen (z.B. Schwangerschaft –> Einzelgenehmigung) die Kosten. Dafür muss ein dementsprechendes Attest des behandelnden Arztes vorgelegt werden. Die Kriterien für eine Bewilligung können Sie bei den Anbietern erfragen.

Fazit

Die CGM stellt ein probates Mittel dar, um den Diabetes besser in den Griff zu bekommen. Es können damit bestimmte Risiken minimiert werden und dem Anwender größere Sicherheit geben. Hier wären eine sehr gute Einstellung während der Schwangerschaft, Hypowarnung bei Personen im Beruf, bei Hypowahrnehmungsstörung, Betreuer von Kleinkindern (Vermeidung von Hypos etc.), eine bessere Einstellung etc. anzuführen. Die Nachteile: Der Anwender muss sich einen Sensor setzen und das Gerät tragen. Ich benötige eine umfangreiche Schulung um damit umzugehen. Diese Systeme sind nicht autark, als Anwender muss ich ins Diabetesmangement eingreifen. Die erfassten Daten müssen regelmäßig analysiert werden – der Anwender soll und muss reagieren.

Als Standardwerk zu diesem Thema möchte ich das Buch von Ulrike Thurm „CGM- u. Insulinpumpenfibel“, empfehlen.

Es ist toll jemanden zu haben, der meinen Zucker überwacht. Diese Eigenschaft erfüllt bei richtiger Nutzung das CGM. Je nach System und der Tragedauer der Sensoren kostet so ein Tag von € 6,50 bis € 12,51 (gerechnet auf eine Nutzungsdauer von vier Jahren, Stand Dezember 2012). Ist es das nicht wert – zu wissen wie es läuft, was passiert und dadurch eine Steigerung der Lebensqualität und Freiheit zu erreichen?