UPC Vienna Capitals und Taylor Vause für Kinder mit Diabetes

Foto: Leo Vymlatil
Foto: Leo Vymlatil

Als Taylor Vause am 16. Jänner 2009 die Diagnose „Diabetes Typ 1“ bekam, brach für ihn eine Welt zusammen. Der damals 17-jährige Kanadier spielte gerade seine Rookie-Saison bei den Swift Current Broncos in der Western Hockey League und war am besten Weg zum Eishockey-Profi. Doch der Traum von der NHL verwandelte sich schlagartig in einen Alptraum. „Mein erster Gedanke war: Jetzt muss ich meine Eishockey-Karriere beenden. Ich stand unter Schock. Nicht zu wissen, was diese Krankheit bedeutet und wie ich mit ihr umgehen soll, das kostete mich schlaflose Nächte. Ich konnte jedoch herausfinden, dass Diabetes kontrollierbar ist. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass mein Traum, professionell Eishockey spielen zu können, weiter am Leben ist.“

Bis zu der Diagnose „Diabetes Typ 1“ wusste Taylor Vause nicht, was in seinem Körper vorgeht. Der heutige Eishockey-Profi der UPC Vienna Capitals hatte mehrere Kilo abgenommen. Bis zu fünf Mal wachte er in der Nacht auf und musste ins Badezimmer gehen. Untertags war Vause konstant müde. Während des Eishockey-Spielens litt er besonders unter den Auswirkungen. „Mein Mund war trocken, meine Kehle wie zugeschnürt.“ Laut seinen damaligen Ärzten führte
ein übergangenes Pfeiffersches Drüsenfieber zu einer Schädigung seiner Bauchspeicheldrüsenfunktion und somit zur Krankheit Diabetes.

Der Caps-Stürmer begann sein Schicksal zu akzeptieren und bekam auch Hilfe von ebenfalls Betroffenen im Eishockey-Sport. „Mein Glück war, dass ich mit zwei anderen Diabetikern zusammenspielen konnte. Beide haben mir geholfen mit der Krankheit physisch aber auch psychisch umzugehen. Als ich 2009 die Diagnose bekomme habe, meldeten sich bei mir sofort zwei ehemalige NHL-Spieler, die mit „Diabetes Typ 1“ großartige Leistungen am Eis gebracht haben. Sie versicherten mir, dass mich diese Krankheit nicht daran hindern wird, meinen Wunschberuf auszuüben.“

Taylor Vause startete sofort mit einer Insulin-Therapie, sein Tagesablauf ist seit diesem Zeitpunkt strikt organisiert. „In meinen Augen ist Diabetes Typ 1 eine Krankheit, die man durch tägliche Erfahrungen immer besser in den Griff bekommen kann. Es braucht allerdings Zeit. Meine erste Eishockey-Saison nach der Diagnose war die schlechteste in meinem bisherigen Leben. Erst nach eineinhalb Jahren konnte ich mir nicht mehr vorstellen, wie es ohne Diabetes
wäre. Insgesamt hat es knapp zwei Jahre gedauert, bis ich mich wieder wohl gefühlt habe.“ Vause misst seinen Blutzucker-Spieler acht bis zwölf Mal am Tag. Im Durchschnitt verabreicht sich der Eishockey-Crack der UPC Vienna Capitals täglich 58 Einheiten Insulin, inklusive zehn Insulin-Abgaben mit einer Insulin-Pumpe. „Ich trage meine Insulin-Pumpe 24 Stunden bei mir – außer beim Baden und Schwimmen. Vor dem Schlafengehen passe ich dann die Einstellungen an das Programm des nächsten Tages an. Nur so kann ich mir sicher sein, dass mein Blutzucker-Spiegel immer im richtigen Bereich liegt.“

Für Taylor Vause war es selbstverständlich seine Diabetes-Krankheit öffentlich zu machen – obwohl er als Eishockey-Profi tagtäglich in der Auslage steht. „Ich möchte Kindern, die ebenfalls diese Diagnose bekommen, helfen den Schock zu verdauen und ihnen zeigen, dass Diabetes kein Grund ist seine Träume aufzugeben.“ Sein Verein, die UPC Vienna Capitals, unterstützt Taylor Vause gerne bei seinem Vorhaben und veranstalteten sein traditionelles Weihnachtsspiel gegen den EC KAC, ganz im Zeichen seiner Diabetes-Initiative. Vause, der privat auch als Hockey-Jersey-Designer erfolgreich ist, hat für das Weihnachtsspiel spezielle UPC Vienna Capitals-Dressen entworfen. Diese wurden nach der Partie versteigert. Mit den Einnahmen sollen – gemeinsam mit Diabetes Austria – ausgewählte Projekte unterstützt werden. „Es hat mich immer angespornt Diabetes nicht als Behinderung in meinem Leben zu sehen. Mein Rat an alle Betroffenen lautet daher: Lass dich nicht von Diabetes kontrollieren, sondern kontrolliere du deinen Diabetes.“ 


Mit freundlicher Genehmigung des Magazins „Bei ins dahoam“, www.bei-ins-dahoam.at


Juliane Hotter – Finalistin beim Kiddy Contest


Mein Personal Diabetes Coach

Stefan (sitzend)

Ich heiße Stefan, gehe in der NMS 3 Weiz in die 1. Klasse und bin seit der 4. Klasse Volksschule Diabetiker. Ich glaube, die Lehrer merken gar nicht, dass ich Diabetiker bin, aber

natürlich wissen sie Bescheid. Am Schulanfang wurde ich allen Lehrern vorgestellt und zeigte vor, wie das BZ-Messen funk- tioniert. An unserer Schule gibt es zwei Lehrer, die sich mit Diabetes sehr gut auskennen. Eine Lehrerin ist selbst betroffen und ihr Mann ist mein Mathe- und Musiklehrer.

In der 1.Klasse fährt unsere Schule auf Schwimmwoche und darauf haben wir uns alle schon voll gefreut. Ich war schon ganz toll aufgeregt und meine Mama auch. Mein Mathelehrer hat uns auf die Schwimmwoche begleitet und im Vorfeld mit meiner Mama alles Wichtige über Diabetes abgesprochen. Al- les, worum sich meine Mama daheim kümmert, haben ich und mein Mathelehrer übernommen.

Wir waren ein gutes Team. Herr Thiebet war beim BZ-Messen und Spritzen immer dabei und hat sogar in der Nacht meine BZ-Werte mit mir gemessen, weil ich nachts öfter Unterzucker habe. Die BZ-Werte wurden von Tag zu Tag besser. Mein Ma- thelehrer und ich konnten uns ohne Worte verständigen. Das war lustig! Auch ich durfte mir ein Eis kaufen, denn ich weiß genau, wieviel Insulin ich dafür spritzen muss.

Ich denke mir: Warum sollen nur Schüler benotet werden? Mein Mathelehrer bekommt von mir ein „Sehr Gut“ als mein Personal Diabetes Coach. Die Schwimmwoche war SUPER!


Interview

Philipp (Mitte)

Philipp ist Schüler mit Diabetes, 14 Jahre alt; Diabetiker seit Juni 2013. Er besucht die Neue Mittelschule 3 in Weiz/Steiermark. Das Interview für MEIN LEBEN führte Frau Elisabeth Thiebet.

ET: Ist es in der Schule für Diabetiker schwieriger als für Nicht-Diabetiker?
Philipp: Finde ich persönlich nicht. Na ja, vielleicht im Hauswirtschaftsunterricht beim Berechnen der Broteinheiten bin ich etwas unsicher. Daheim macht das meine Mutter.

ET: Ist Diabetes im Sportunterricht nicht lästig? Brauchst du Sport-BE?
Philipp: Ich brauche keine zusätzlichen BE. Meine Bauchspeicheldrüse arbeitet noch mit und wirkt ausgleichend. Mein Bruder ist auch Diabetiker, bei ihm ist es ganz anders. Er muss für Hypos immer vorbeugen.

ET: Verstehe. Wie sieht deine Insulintherapie aus?
Philipp: Mein Langzeitinsulin spritze ich um 9 Uhr abends.

ET: Wann spritzt du in der Früh?
Philipp: In der Früh spritze ich nicht. In der Früh brauche ich kein Insulin für das Essen, erst wieder zu Mittag.

ET: Interessant! Du warst mit deiner Klasse erst vor kurzem auf Schullandwoche in Italien. Wie war's?
Philipp: Cool!

ET: Und wie ist es mit dem Diabetes gelaufen?
Philipp: Es hat alles gut funktioniert. Meine Mutter hat im Vorfeld mit meinem Klassenvorstand gesprochen. Mein Klassenvorstand weiß gut Bescheid. Ich bin aber echt selbständig. Man braucht sich um mich nicht sorgen. Ich war im vergangenen Sommer im Kindercamp für Diabetiker und habe viel gelernt.

ET: Interessieren sich die Lehrer für deinen Diabetes?
Philipp: Ja, ziemlich alle Lehrer fragen nach, wie es mir geht. Ich habe gehört, sie erhielten eine Einschulung über Diabetes von einer Lehrerkollegin, die auch Diabetes hat. Die meisten Menschen denken, dass das Spritzen ganz schrecklich ist. Ich finde Insulinspritzen nicht so furchtbar.

ET: Was sind deine Berufspläne?
Philipp: Ich möchte gerne Elektriker werden, weil mich Elektrizität und Elektronik begeistert.

ET: Was machst du gerne in der Freizeit?
Philipp: Mein ganzer Einsatz gilt der Feuerwehr. Am 28. Juni hatte ich die theoretische und praktische Abnahme für den aktiven Feuerwehrdienst.

ET: Danke für das Interview und alles Gute!


PAUL – ein Vorzeige „Patient“ und Vorbild für andere Kinder

Paul Eiter, 11 Jahre alt, wohnt mit seinen Eltern Doris und Ernst sowie seinem Bruder in Tieflehn im Pitztal in Tirol. Seit seinem dritten Lebensjahr ist Paul Typ 1 Diabetiker und trägt seit 2005 eine Insulinpumpe. Diese handhabt er selbst, weiß wie man alles einstellt, berechnet die Einheiten selbst bzw. weiß, wie er sich bei Unterzucker verhalten muss. 

Das ist auch äußerst wichtig, denn Paul lässt sich von seiner Krankheit  überhaupt nicht beeinträchtigen, ganz im Gegenteil: Paul ist ein überaus aktiver Junge! 

Neben Schirennen (Paul ist im Auswahlkader des Tiroler Skiteams, SL/RTL/SuperG), Freeriden und Fussball spielt er noch Schlagzeug und fährt hin und wieder mit seiner Motocross durch die Gegend. Bereits über 70 Pokale zieren sein Zimmer und das Wohnzimmer der Familie. Nur das Stillsitzen in der Schule fällt ihm schwer, da mag er schon lieber die Bezirks-Skicamps des Skiclubs (wohin ihn immer ein Elternteil begleitet). 

Der überaus sympathische junge Mann möchte ein Beispiel für andere Kinder sein, die an Diabetes erkrankt sind. „Nicht unterkriegen lassen“ ist seine Devise.

Sein Traum ist es, das Schigymnasium Stams zu absolvieren, mit 16 Jahren seinen ersten Pitztal-Marathon zu laufen und später mal bei der Spezialeinheit Cobra Dienst zu machen.

Wir wünschen Paul, dass er seine Ziele erreicht und wünschen ihm weiterhin viel Spass und Freude bei seinen durchaus zahlreichen Aktivitäten!
Autorin: Judith Schuchter, Leiterin ÖDV-SHG Oberland


Das ist jetzt ein Teil von mir

Es war ein schöner Wintertag und ich spielte im Garten. Doch ich spürte immer wieder wie mein Mund trocken wurde. Da fragte ich meine Mutter: „Kann ich etwas trinken?“. Meine Mutter eilte zum Kühlschrank und holte mir ein großes Glas Wasser. Als ich fertig mit dem Trinken war, meinte Mama: „Ist es nicht merkwürdig, dass du ständig trinken musst? Sogar abgenommen hast du! Und was mir am meisten auffällt ist, dass du sehr oft aufs Klo gehst.“
Ich fand es genau so seltsam wie meine Mama. Auf einmal rief sie: „Es reicht, wir gehen sofort zum Kinderarzt und fragen was los ist!“
Wir zögerten nicht lange und schon waren wir beim Arzt. Nach einigen Minuten wurden wir aufgerufen und spazierten ins Arztzimmer hinein. Der Arzt fragte sofort nach, was das Problem war.
So erklärte meine Mutter was ihr aufgefallen war. „Mhmmm. Ja. Also. Da müssen wir leider Blut abnehmen!“, meinte der Arzt.
Doch da ist mir die Puste ausgegangen. Aber ich biss die Zähne zusammen, denn es musste ja sein.
Nach einem Hin und Her hatte er gesehen, dass ich viel zu viel Zucker im Blut hatte, und stellte fest, dass ich Diabetes habe.
Im ersten Moment war mir und meiner Mutter nicht klar, was das war, aber der Arzt erklärte uns was es bedeutete.

„Das ist eine Zuckerkrankheit, die nie wieder weg geht.“

Er schlug uns vor, sofort in die Kinderklinik zu fahren. Wir waren ziemlich traurig. Aber am meisten war meine Mutti traurig. So fuhren wir mit weinenden Augen dort hin.Am Boden zerstört meldeten wir uns an und warteten im Wartezimmer. Nach viel Weinen wurden wir aufgerufen. Sofort untersuchten die Schwestern mich von oben bis unten. Nun war es wieder an der Zeit, Blut abzuzapfen.Währenddessen rief Mama meinen Papa und meine Schwester an und informierte sie darüber.Nach zwanzig Minuten waren sie traurig angekommen. Die Schwestern sagten ich soll zwei Wochen im Krankenhaus bleiben, um das Insulin das bei mir fehlte, einzustellen.So blieb ich die Wochen im Spital und musste ständig messen und spritzen.

Tja, und so wurde ich zur Diabetikerin.
Man sagt auch, das ist jetzt dein Rucksack, den du immer mit dir mitschleppen musst.
Arlinda, 11 Jahre, seit Februar 2013 DM